Jörg M Mitglied seit 3 Jahren

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Handlung und Figuren sind hier geradezu irrelevant, da beide zusammengesetzt sind aus dem großen Fundus narrativer und charakterlicher Versatzstücke des Westerngenres. Lange bevor Quentin Tarantino auf die Idee kam, in seinen Filmen nur andere Filme zu zitieren, und nicht realitätsnahe Charaktere zu betrachten, spielte Leone schon mit den Standardsituationen und Topoi des Westerngenres herum, um diese dramatisch zu überzeichnen und gleichzeitig weit „authentischer“ zu zeigen: der Wilde Westen war nie so dreckig und wirkte selten so plastisch greifbar wie bei Leone. Das Maß der Abstraktion dabei ist aber leider oft dermaßen groß, daß das brutale Schicksal der Figuren einen nicht unbedingt bewegt, da viele der Szenen, speziell in der schleppenden Mitte des Films keine narrative Dramatik entwickeln. Dieses Problem ist nicht neu für Leone, der schon in der Dollars-Trilogie versuchte den schwierigen Grad zwischen Stilisierung und narrativer und charakterlicher Substanz zu finden: während Für eine Handvoll Dollar (1964) eine sehr stringente, kompakte Handlung mit einigen fulminanten Pistolenduell-Choreographien verknüpfte, und Zwei glorreiche Halunken (1965) drei faszinierende Protagonisten in einer konfusen Handlung mitsamt unnötigem Historienballast strandete, aber mit einem schier famosen Finale aufwartete, vermochte bloß Für ein paar Dollar mehr (1964) die Symbiose aus ansprechenden Figuren, spannender Handlung und dienlicher Actionchoreographie perfekt zu verbinden. Spiel mir das Lied vom Tod ist vielmehr eine wunderbare Symphonie aus Western-Motiven, -Bildern, Figuren, -Tönen, die eine leidlich interessante Geschichte mit allzu viel Leerlauf erzählt, dabei aber immer wieder mit ganz großen Momenten zu entschädigen weiß, die auch aus dem Kontext gerissen zu begeistern wissen.

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Inception vor 3 Jahren
Inception ist alles in allem ein Film der Ideen, ein Film über Ideen und ein Film über den Diebstahl von Ideen. Dabei ist es auch völlig legitim, dass Inception auch hier und dort Ideen klaut. Nur wünschte man sich dann doch, er hätte etwas mehr mit seinen Ideen gemacht. Aber wer weiß, vielleicht kommt das ja noch. In unseren Träumen.

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Der Pate - Teil II vor 3 Jahren
Mit “Der Pate II” legte Altmeister Francis Ford Coppola im Jahr 1974 eines der raren, unvergesslichen Meisterwerke der Filmgeschichte vor. Mithilfe eines namhaften Darstellerensembles, angeführt von einem höchst charismatischen Al Pacino, einem Robert de Niro, wie ich ihn immer wieder sehen könnte, und einem Robert Duvall, der sich seine Rolle des Tom Hagen komplett einverleibt zu haben scheint, breitet Coppola über 192 Minuten ein bildgewaltiges Drama vom Ausmaß einer Shakespeare`schen Tragödie aus, das der fatalistischen Logik eines brüchigen Herrschaftssystems folgt, die sich den Protagonisten eingebrannt hat wie die Sonne in das Kopfsteinpflaster Siziliens mit seinem mediterranen Flair. Es dauerte über 15 Jahre, bis Coppola sich entschloss, den Bogen mit “Der Pate III” zu Ende zu spannen. Als Gesamtwerk gesehen, ist der Einfluss der "Godfather"-Trilogie auf spätere Gangsterepen wie “Es war einmal in Amerika” (1984) oder “GoodFellas” (1990) nicht zu unterschätzen. Ein Geniestreich, dem sein fester Platz in der Ruhmeshalle der Filmklassiker nicht mehr zu nehmen ist.

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Psycho vor 3 Jahren
Hitchcocks Spiel auf der Klaviatur der Empfindungen des Zuschauers funktioniert hervorragend wegen seines “Anti-Bösewichts” Anthony Perkins. Als hageres, verklemmtes Muttersöhnchen mit manisch-gehetzten Augen und zerbrechlichen Gesichtszügen verkörpert sein Norman Bates sowohl das unschuldige Opfer wie auch den (von inneren Dämonen) besessenen Triebtäter, bei dem sich in jedem Moment “der Schalter umlegen” kann. Sowohl der Horror als auch die Tragik seiner Figur liegen in der völligen Machtlosigkeit gegenüber seinen im Inneren schlummernden niederen Instinkten begründet, die seinen Bezug zur Realität und sein Denken in Konsequenzen gnadenlos überformen. “Psycho” ist eine Art Alpha-Film für das moderne Schocker-Kino geworden, ohne den Filme wie “Das Schweigen der Lämmer”, “Sieben” oder “Halloween” wohl nicht denkbar gewesen wären.

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Die 12 Geschworenen unterhält nicht nur auf hohem Niveau und gefällt als vortrefflich erzählter Gerichtsfilm, seine moralische Botschaft macht auch vor uns Zuschauern nicht Halt und fordert nachhaltig dazu auf, persönliche Ressentiments zu überwinden, Glaubenssätze zu hinterfragen und grobem Populismus entgegenzutreten.

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